Über Fernweh

 Wenn ich hier schon in meiner mittelmässigen Deutsch schreibe, kann ich wohl auch in deutschsprachigen Blogparaden mitmachen. So ganz selten. 

Die liebe Lena aus Family4Travel hat über Fernweh geschrieben und die Idee kommt aus diesem Blog. Da will ich übrigens mal gründlicher reinschauen, ich sitze in der letzten Zeit zu viel ziellos am Computer, hoffend, dass auf irgendwelcher Webseite gesagt wird: "Corona gibt es nicht, es ist alles nur ei Alptraum gewesen..."

"Es wäre schön, mal wieder in die Niederlande zu fahren," sagte gestern der Mittlere. Ja, das wäre wirklich schön. Oder nach England, Oder nach Frankreich, wo wir mit den Kindern noch nie gewesen sind. Oder nach Italien, wo wir ja letztes Jahr hinwollten und wegen Corona-Ängste nicht gegangen sind... obwohl die Zaheln in Estland in Moment so hoch sind, dass unsere Ängste letztes Jahr wirklich lächerlich wirken. Sogar Lettland scheint urplötzlich verlockend. Da sind wir ja auch nie so richtig gründlich gewesen, immer nur auf durchreise oder "lass uns kurz nach Riga fahren", das uns noch nie so richtig gefallen ist, wegen schlechtes Wetter oder schlechtes Hotel oder... 

Und wieder meine Cousine in Amsterdam zu sehen. Oder unsere lieben Freunde in England. Oder Lena und ihre Reisefamilie... oder die anderen Couchsurfing-Freunde, die wir seit lange nicht mehr gesehen haben. Und natürlich unsere Lieben in Gummersbach. Sie sind meistens über 60...

Corona- Inzidenz in Estland (14 Tage, 100 000 Leute) liegt im Moment bei 1417. Erster Platz in Europa. Eigentlich nicht so strebenswert. Wie es dazu gekommen ist... ich bin keine Expertin. Es ist aber bestimmt nicht vernünftig, inmitten einer gesundheitlicher Krise noch eine Regierungskrise zu haben. Und wenn die neue Regierung unbedingt alles offen lassen will, bis der grosse Skievent (Marathon von Tartu heisst es, unsere Präsidentin wollte es bestimmt mitmachen) und Festlichkeiten zum Jahrestag der Republik vorüber sind... dann kann die Situation wohl eskalieren. Und so können wir wahrscheinlich zu Ostern wieder nicht in die Kirche und die Aufnahmetests in Gymnasien werden übers Internet gemacht. Da denkt man kaum ans Reisen...oder doch?

Es gibt Esten, die doch fröhlich auf Frühlingsurlaub fliegen. Können sie... Ihnen ist es wohl nicht wichtig, wie viel ein freiwilliger Coronatest kostet. Wir sind 5 Personen, alle testen zu lassen bedeutet für uns 250 Euro oder mehr. Das ist nicht gerade wenig. Ausserdem muss man wieder zu Hause für 2 Wochen in Isolation bleben, wenn man Pech mit dem Reiseland gehabt hat. Auch wenn es in Estland einfacher ist, sich anzustecken als in den meisten Reiseländern. Aber... im Allgemeinen ist es gar nicht nett, es zu riskieren, dass wir doch die Krankheit haben und es dann irgendwohin mitnehmen. Vielleicht so, wie wir letztes Jahr in Bayern waren, in einem AirBnB Haus mit Türcode. Wir hätten wohl auch so Urlaub machen können, dass wir keine Menschenseele treffen. Vielleicht. 

Aber nicht heute und jetzt, Risiko ist viel zu hoch. 

Wenn wir aber träumen können... Erstmal zum Opa in Pärnu. Er nimmt die ganze Situation ziemlich gelassen, so wie wir eigentlich auch. Dort kann man schön am Strand spazieren gehen, mit Abstand und allem. Und wir könnten wieder in eine verlassene Burgruine fahren, dort waren wir vor 8 Jahren, die Jungs erinnern sich bestimmt nicht mehr daran. Oder wir können nach Soomaa. Sogar als nichtwandernde Familie wäre das doch etwas Anderes. 

Und wenn die Situation noch etwas lockerer wird und das Wetter sommerlicher (und ich gesund werde, ich habe gerade fiese Halsschmerzen ohne Corona) und wir nicht arbeiten gehen - denn Der Mann und ich helfen beide im Moment Schüler mit Lernschwächen in Präsenzunterricht, mit Masken -, also Zeit haben... Dann die Inseln. Saaremaa ist schön, aber auf Hiiumaa haben wir Freunde und dort waren wir noch nie. 

Und wenn wir wieder aus Estland raus dürfen... Versteht mich nicht falsch, Estland ist schön, aber die Kleinstädte sehen alle gleich aus und wir sind wirklich Nichtwanderer. 

Dann hängt es davon ab, in welche Richtung es möglich ist. Ich wollte nie im Leben Schweden besuchen, aber wenn das der einzige Ort ist, wo wir hindürfen, bitteschön. Oder Finnland. Oder Lettland, diesmal ordentlich... oder was es so möglich ist. Und schön inmitten von unserer Urlaubszeit, sodass wir später ruhig 2 Wochen zu Hause hocken könne, wenn es unbedingt so sein muss. Das wäre denn Ende Juli, weil ab etwa 21. August müssen wir zurück zur Arbeit. Bis Ende Juli kann sich Vieles ändern, hoffetnlich in Richtung Besser.

Mein Fernweh ist im Moment die Sehnsucht nach etwas Anderem. Nach Urlaub. Dass die Kinder auch zufrieden sind. Dass ich nicht kochen muss*. Dass wir vielleicht für ein paar Stunden aus dem Alltag raus sind - aber bitteschön, wenn möglich, auch ein paar Tage oder ein paar Wochen. 

Die schönen Abwechlungsmomente letztes Jahr waren - nach dem ersten Lockdown  - natürlich unser Bayern-Urlaub Ende Juni. Aber auch ein Augustwochenende in Pärnu, das wetter war herrlich heiss, das Meer schimmerte in allen möglichen Farben und die Sonne schien als ob es für immer so bleiben könnte (blieb es nicht, am Nachmittag gab es Gewitter. Aber auch der letzte warme Sommertag, als wir beim Bogenschiessen zuschauen durften. Und noch ein Tag im August, glaube ich, als wir eine Stunde am Fluss sassen und Pizza assen. Die Kinder sind schwimmen gegangen und wir schauten uns Boote an. Einfach so. 

Seit Ende September waren wir nicht mehr weg. Nicht einen einzigen Tag. Das Wetter war natürlich auch nicht so toll, Spaziergänge bei Minustemperaturen kommen für mich gar nicht in Frage und drinnen ist ja alles zu oder beinahe so. Finde ich auch gut.

Wenn es aber wieder möglich ist - und ich meine darunter auch Gewissheit, dass wir niemandem den Pest mitbringen -, dann geht es irgendwohin. Wohin, wissen wir nocht nicht. Es wird aber bestimmt auch dieses Jahr Urlaub geben. Wenn es auch nur einige einzelne Tage sind. 


_________
*ich koche sehr gerne, aber wenn ich nicht muss, ist es eine sehr schöne Abwechslung.


Comments

  1. Inzidenz über 1000? Ich wünsche euch alles Gute!! Ich sehne mich auch nach dem Moment, wenn Reisen irgendwann wieder möglich sein wird. Liebe Grüße aus Deutschland.

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  2. Danke für die guten Worte! Ja, heute ist es 1364, 725 Menschen im Krankenhaus, 11 Menschen während des letzten Tages verstorben. Es wird aber langsam besser, vor einer Woche hatten wir Inzidenz über 1500. Dann können wir nur hoffen.

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  3. Ich habe Estlandweh.

    Estland ist immer unser Nahe-genug-für-einen-Kurzurlaub- und Anders-genug-für-echtes-Uurlaubsfeeling-Reiseziel. Vor den Herbstferien hofften wir noch, dass die Inzidenz unter 25 bleiben würde oder Finnland den Grenzwert auf 50 anheben würde. Damals hätte es fast noch geklappt, seitdem gucke ich täglich fassunglos auf die estnischen Zahlen.

    Und habe Estlandweh. (Im Sommer, hoffentlich!!!)

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    1. Karen, es tut mir so leid. Die Zahlen sind in den letzten Wochen mächtig gesunken, Inzidenz von 14 Tagen ist schon unter 1000, 650 Menschen im Krankenhaus, 16% von den getesteten positiv (es ist ganz lange über 20% gewesen). Das sieht nach Hoffnung aus.

      Ich wünsche mir, dass das ganze EU einheitliche regeln haben könnte. Aussengrenzen bitte ganz fest zu, Quarantäne für alle gleich, Impfregeln für alle gleich, Innengrenzen auf. Aber "Ich" ist ja immer der/die Klügste der Welt.

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