Am 5. November

 Auch heute wird es wahrscheinlich Tagebuchblogging geben. Bei Frau Brüllen ist im Moment zwar nicht viel los, aber wir haben ja auch ein bisschen Zeitunterschied. Später werde ich diese Post verlinken.


Der Morgen startete wunderbarerweise später als sonst ganz oft, wir konnten bis 7.20 im Bett bleiben. Dann musste, was musste. Bad, Kaffee. Für den Jüngsten habe ich Vierkornbrei gekocht, er mag es gern. Ich ass zum Frühstück Naturjoghurt mit hausgemachter Marmelade und ein Handvoll Frühstücksflocken. Der Mann... hatte etwas mit Brot. Die Grossen sind innerhalb der Woche oft nicht da. Ich vermisse sie, aber es wäre auch ganz schlimm, wenn sie nur wegen meine Gefühle immer da wären und keine Selbstständigkeit hätten. 

Dann fuhren wir in die Stadt. Erstmal Zwischenstopp beim Stadthaus, dort im Keller überwintern nämlich die Dahlien des Jüngstens. Die Männer tragen Kisten, ich stricke, denn am Sonntag kann ich einen bestellten Spitzenschal abgeben - hoffentlich.

Dann geht es weiter Richtung Bushaltestelle, der Jüngste springt raus. Der Mann geht in seine Schule, ich parke den Wagen bei unserer Kirche - dort können wir nämlich kostenlos parken und es liegt günstig zu unseren Arbeitsstellen. Ich laufe zur Arbeit, heute bin ich im Mutter-Kind-Zentrum. 

Dort gucke ich erstmal nach Klopapier usw, dann bediene ich die Kaffeemaschine und schon ist es 9 Uhr und die erste Familie kommt. Es ist eine Mutter aus der Nachbarschaft mit ihrer gerade 2 Jahre alt gewordenen Tochter. Wir kennen uns noch nicht, aber die Mutter erzählt gern über ihr Leben - erst vor kurzem nach Tartu gezogen, alles neu und spannend, das ältere Kind in der Kita... Dann kommen noch weitere Mütter, aber der Tag verläuft eigentlich ruhig und nett. Meine Mitarbeiterin ist auch da, hat aber heute andere Aufgaben und lässt sich wenig blicken. 

Übrigens ist dieses Mutter-Kind-Zentrum ein estnisches Konzept, wir haben bis jetzt über 10 solche Orte in verschiedenen Städten. Jede Familie (oder auch Babysitter oder Oma oder...) darf mit dem Kleinkind ins Spielzimmer kommen, es gibt guten Kaffee oder Tee für Erwachsene und Notfallwindel für die Kleinen... Und dann kann man sich unterhalten, nach Rat fragen, sich einen Termin bei der Psychologin buchen oder auch sich zu diverse Elternschaftkurse anmelden. Das ist fast alles kostenlos, generell staatlich finanziert. 

So sieht übrigens unser Spielzimmer aus, wenn man erfolgreich gespielt hat.

Es ist abgemacht, dass ich ab 13 Uhr gehen kann... aber dann muss meine Mitarbeiterin noch etwas erledigen. Ich passe dann auf den 7 Monate alten Sebastian auf und warte. Generell bieten wir Babysitten nicht an, ich kann aber kurz der Mutter entgegen kommen. Dann darf ich doch weg. 

Ich fahre zur Bibliothek und kriege eine Tasche voll Bücher, die ich noch nicht gelesen habe. Besonders freue ich mich, dass ich das letzte Buch von Stormskärs-Maja Serie gekriegt habe. Die Autorin hiess Anni Blomqvist und es geht um das Bauerleben auf den Ålandinseln im 19. Jahrhundert. Ich habe keine Ahnung, ob es das Buch auch auf Deutsch gibt, ist aber zu empfehlen. 

Dann kommt schon Der Mann, wir fahren zur Schule des Jüngsten... um zu erfahren, dass er komplett vergessen hatte, was geplant war, und schon in der Innenstadt ist (es sind 2-3 Kilometer). Wir sind mürrisch und treffen ihn dann etwas später. Er telefoniert hastig, denn nur bis 15 Uhr kann er für seine Dahlien Sägemehl kriegen... Es ist 14.51. Wir finden den Sägewerk - 10 Km ausserhalb der Stadt - und jemand ist noch da. Zwei grosse Mülltüten reichen aus und mehr passt auch nicht ins Auto. Der Jüngste geht zurück in die Stadt, wir fahren nach Hause. Das Wetter ist wunderbar sonnig und nett, 8-9 Grad warm. Novembersonne ist schon etwas Seltenes. 

Erstmal Spülmaschine und Waschmaschine anstellen, seit Stromproblemen Anfang Sommer traue ich mich nicht mehr, sie ohne uns laufen zu lassen... Dann Essen kochen. Ich mache Speck-Brokkoli-Pastasalat, das lieben alle. Und Apfelkuchen, denn Äpfel haben wir noch viele. Der Mann macht Feuer und hilft mir beim Kochen. Wir essen.

Dann schreibe ich diesen Beitrag. Es ist 18.14. Gleich werde ich mit Duolingo Irisch lernen, noch Bibel lesen und beten, danach gibt es wieder Strickzeug und das Maja-Buch. Der Mittlere und der Jüngste kommen mit dem Bus so um 20 Uhr, Der Mann wird sie abholen (dieser Bus hält 10 Km von unserem Haus). Wahrscheinlich gehe ich so gegen 22 Uhr ins Bett und morgen, hach, morgen werde ich weben, denn ich habe frei. Der November ist sonst ziemlich arbeitsreich, da geniesse ich meine freie Tage eben mehr.

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