Wenn Mama und Söhnchen zusammen in die Schule gehen

In Estland kommen die Kinder normalerweise mit 7 Jahren in die Schule, also ist Der Älteste in seinem hohen Alter von zwölf Komma dreiviertel in der 6. Klasse. Die meisten Schulen sind Hauptschulen, das heisst 9 Jahre, alle in derselben Schule  (falls es klappt). Danach muss man wählen, ob man aufs Gymnasium geht oder in der Berufsschule weitermacht. Bis dahin haben wir zum Glück etwas Zeit.

Der Schulweg unserer Kinder ist holprig gewesen, denn in der ersten Schule hat es besonders bei Dem Mitteleren (gerade 11 Jahre alt) nicht so gut geklappt. Damals kamen noch andere Sorgen dazu und wir starteten das Experiment "Heimschule" (auf Englisch "homeschooling"). Ja, das ist hier erlaubt, aber nicht weit verbreitet. Die Kinder müssen in irgendeiner Schule angemeldet sein und die Lehrer(innen) fragen ab, aber gelernt wird so und dort, wo man gerade Lust hat. Drei Jahre lang hat es sehr gut funktioniert, danach wollte Der Älteste doch in die Schule.

Gut, kann er, aber wohin? Seine Erste Schule hatte keinen Platz mehr in seinem Jahrgang. Die örtliche Dorfschule bei uns (na ja, 10 Kilometer weg von uns) wäre logistisch ein Alptraum gewesen - denn der junge Mann muss nicht nur morgens in die Schule, sondern auch nach der Schule zum Sport oder andere Hobbys, die gibt es für ihn in der Stadt, die Busverbindung ist kompliziert. In der Mamas Schule war er ja sowieso angemeldet, ausserdem wollte er so gern Französich lernen und das geht hier in der Gegend nur bei uns.

Also gehen wir zwei zusammen in die Schule. Es war recht schwierig am Anfang, Der Älteste hat nicht gewusst, wie er sich verhalten soll, wenn wir uns in der Pause unerwartet treffen. Als Schulpsychologin laufe ich schon manchmal durch die Klassen, um mit Lehrerinnen etwas zu besprechen oder Schüler zu sehen, da kann ich nicht nur in meinem Zimmer hocken und den Sohnemann den ganzen Tag meiden. Mittlerweile geht es aber ganz gut. Er ist glücklich mit seiner Klasse und da er nicht der einzige "Lehrerkind" ist, das wir hier in der Schule haben, kommen auch die Anderen damit klar.

Bonus für Sohn: er kann seinen Schulranzen bei mir abgeben, wenn er nach der Schule irgendwohin gehen will.

Bonus für Mama: alle Probleme werden mit den Lehrerinnen besprochen, bevor der Tag zu Ende ist.

Wir hoffen, dass Der Älteste weiterhin Freude an der Schule hat und dass er auch weiterhin fleissig lernt.


***
Über Heimschule werde ich irgendwann mehr schreiben. Wert sich Sorgen macht - die Kinder waren keineswegs isoliert, sie sind alle mehrmals in der Woche zu verschiedene Hobbys gegangen und dadurch haben sie auch neue Freunde kennengelernt.

Der Mittlere macht seine Schulsachen am liebsten so. Am Tisch kommt bei ihm eher selten vor. Hauptsache, er lernt dabei etwas.

Comments

  1. Oh, du bloggst jetzt auch auf Deutsch! Wie spannend! :)

    Witzig, dass euer Großer ein Problem damit hatte, auf dieselbe Schule zu gehen wie du. Auf die Idee wäre ich gar nicht gekommen. Bei uns war es so, dass ich angefangen habe, an der Schule der Jungs zu arbeiten, nicht andersrum. Das war aber irgendwie nie ein Thema. Andererseits gibt es bei uns auch ganz viele Lehrerkinder an der Schule, so dass das fast schon normal ist. :) - Schön jedenfalls, dass es bei euch jetzt so klappt!

    Liebe Grüße nach Estland,
    Lena

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    Replies
    1. Hallo Lena, willkommen auch hier. Unsere Lehrerkinder sind entweder jünger oder älter als der Älteste und eingentlich auch nicht viele, deswegen hat er sich auch komisch gefühlt. Aber mittlerweile kommen wir alle damit klar.

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