WMDEDGT im April

Frau Brüllen fragt, was die Leute so am 5. von jedem Monat machen. Na ja...

Die Kinder wollen seit Montag sich selbst den Wecker stellen. Es regt aber nichts im Bad direkt neben dem Schlafzimmer. Auch vom Kinderzimmer piepst nichts. Ich stehe auf, schwanke in die Küche, setze Kaffee auf... Im Kinderzimmer herrscht Ruhe. Drei verschlafene Gesichter gucken mich an. "Aufstehen, in die Schule! Ihr wolltet doch selber aufstehen...?" Ups, sagen die Kinder und gucken verblüfft. Morgenroutine wird doch abgesprochen und nicht einfach so verändert!

Wir kommen doch alle rechtzeitig an. Als der Mann den Wagen vor dem Schulhaus anhält, sagt der Älteste, er habe Kopfweh und Bauchschmerzen. Im Bereich Blinddarm. War es schon zu Hause so? Ein Bisschen, aber nicht so schlimm. Gottseidank ist die Schulärztin da und kann das Kind schnell untersuchen. Der Älteste darf doch in die Unterricht, soll aber zurück kommen, wenn es ihm tagsüber nicht besser wird.

Ich mache inzwischen meine Arbeit. Eine Mutter kommt nicht, denn sie ist hochschwanger und traut sich nicht mehr allein aus dem Haus. In der Schulkantine kaufe ich mir Hächnchenfilet mit Äpfel überbacken und Salat. Ist so... durchschnittlich. Dann bin ich mitten einer Besprechung, wenn der Älteste anruft (die estnischen Kinder dürfen ihre Handys in der Schule mit dabei haben, aber während der Unterricht bleiben sie in der Schultasche). "Mama, mir ist noch immer schlecht. Ich bin zur Ärztin gegangen und sie sagt, ich habe 38 Grad Fieber." Ich entschuldige mich und gehe zu meinem Kind. Der Älteste guckt unglücklich, er hat dunkle Ringe unter den Augen und sein Kopf ist wirklich heiss. "Ich wollte aber meine Französischklausur zu Ende schreiben, deswegen bin ich nicht früher gekommen." Also bitte! Französisch ist wichtig, Gesundheit aber wichtiger. Die Ärztin lässt den Ältesten noch liegen und hüpfen und sagt, wir sollten ihn lieber mit Verdacht auf Blinddarmetzündung zur Notfallstation bringen. Besser kontrollieren lassen. Ich habe noch eine wirklich wichtige Besprechung vor mir, ausserdem habe ich kein Auto. Das Krankenhaus liegt am anderen Ende der Stadt, es ist aber (noch) nicht sehr eilig.

Ich rufe Den Mann an. Er geht zuerst nicht dran - logisch, er hat wahrscheinlich noch Unterricht. Dann ruft er zurück. Er kann kommen, muss aber noch die Mathestunde mit der 5. Klasse zu Ende machen. Der Älteste darf bei der Schulärtztin abwarten. Ich gehe zu meiner Arbeit zurück, dann ruft Der Mann auch bald an, dass er jetzt kommen und mit dem Kind ins Krankenhaus fahren kann. Gut. Mir geht es nicht so gut, denn ich mache mir Sorgen, aber das Kind ist eigentlich in guten Händen.

In etwa anderthalb Stunden bin ich auch mit der letzten Besprechung fertig. Ich versuche sofort, Den Mann anzurufen, er geht aber nicht dran. Erst eine Viertelstunde später ruft er zurück. Der Älteste wurde nämlich gerade untersucht, als ich anzurufen versuchte. Sie müssen noch einige Zeit warten, bis der Arzt wieder kommt, aber es sieht eher nach einem unangenehmen, aber harmlosen Virus aus, Blinddarm soll in Ordnung sein. Huch.

Ich warte noch, bis der Älteste mich anruft und sagt, dass es wirklich nicht so schlimm ist als es aussah und dass sie alle mich bald abholen werden. Dann gehe ich in den Supermarkt neben der Schule. Es regnet, aber das Wetter ist nicht richtig kalt. Ich kaufe Joghurt und Äpfel. Dann warte ich, bis ich unser Auto kommen sehe. Im Auto sagt der Älteste, dass sein Kopfweh noch immer sehr, sehr schlimm ist. Der Jüngste erzählt von seinem Tag, er war mit seiner Klasse im Hallenbad. Es hat Spass gemacht. Der Mann berichtet über den Besuch im Notfallstation.

Zu Hause kriegt der Älteste Schüttelfrost. Bald ist sein Fieber bis 39 Grad hoch geklettert. Der Mann versorgt ihn, ich mache Feuer in den Öfen und koche. Der Mittlere macht Hausaufgaben, der Jüngste liest "Harry Potter". Um 19 Uhr können wir endlich essen. Es gibt Nudeln mit Tomatensauce und Entenfleisch, das von Ostern übrig blieb. Der Älteste will nichts essen, später isst er ein Schälchen Joghurt.

Dann schneide ich mein tägliches Kilo Flickenteppichmaterial und helfe dem Mittleren, einen Aufsatz zu schreiben. Aufsätze sind sehr schwierig für ihn. Fieber von dem Ältyesten lässt nach. Bevor ich anfange, Gutenachgeschichte zu lesen - wir lesen gerade "Genosse Kind" von den estnischen Autorin Leelo Tungal, es ist die Geschichte über ihre Kindheit unter stalinistischem Terror, vor zwei Tagen haben wir es auch im Kino gesehen - ist es schon zu 36,9 Grad runtergegangen. Der Kopf schmerzt aber immer noch schlimm. Morgen wird er nicht in die Schule gehen.

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