Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

So fragt Frau Brüllen. Und da es gestern ein ziemlich guter Tag war (im Vergleich zu dem 5. Juni), ist es doch vielleicht wert, es aufzuschreiben.

Am Morgen mehrmals zu früh aufgewacht - Der Mann muss rechtzeitig in der Stadt sein und das macht nervös. Kaffee, Brot. Wäsche aufgehängt.

Übrigens haben wir im Moment kinderfrei, denn alle drei sind in Feriencamps. Erst ab Samstag geht das normale Chaos wieder weiter.

Auf dem Weg in die Stadt besprechen wir die Pläne für den Tag. Der Mann setzt mich bei meinen Eltern ab und fährt selbst weiter zu seinem Termin.

Meine Mutter ist schon wieder etwas verwirrt und fragt mich, ob Der Älteste doch auch mit ist, sie braucht Hilfe im Garten. "Aber Mama, er ist doch vorgestern weggefahren…" Mein Vater möchte einkaufen gehen, aber zu Fuss geht es nicht mehr. Na ja, wenn Der Mann später zurück ist, dann.

Ich ziehe mir meine Gartenarbeit-Hose an und steige viele Treppen runter in den Garten. Es gibt ein ziemlich tiefes Flusstal in Tartu und meine Eltern wohnen oben auf dem Hang. Der Garten reicht sich 12 Meter nach unten und es ist gross für ein Grundstück in der Stadt. Ich werde aber keine Gartenarbeit machen, sondern Beeren pflücken. Als Kind sehnte ich mich nach einen Himbeerdickicht, wo man sich sattessen könnte, damals gab es so etwas aber nicht. Jetzt endlich, und es ist voller Beeren. Ich habe wohl noch nie so viele Himbeeren auf einmal gesehen.

Der Eimer ist voll… und so sind sämtliche andere Gefässe. Ich pflücke auch Kirschen, aber von denen sind nur die Hälfte reif und es gibt auch nicht so wahnsinnig viele.

Als ich gerade Schluss mache, kommen Der Mann und meine Mutter vom Einkaufen zurück. Mein Vater hat sich doch zu schlecht gefühlt, um aus dem Haus zu gehen. Wir teilen die Beeren aus - ich kriege den Eimer mit Himbeeren und den Schüssel mit Kirschen, meine Eltern nehmen den Rest. In ein paar Tagen müssen die Beeren wieder gepflückt warden.

Wir gehen zuerst in die Bibliothek und dann einkaufen. Am Sonntag will eine polnische Vegan-Frau couchsurfen kommen, da muss ungewöhnliches Essen ins Haus - normalerweise kaufe ich nie Kokosfett oder Mandelmilch, aber sie kann ja nur vegetarisch… Dann entscheide ich mich - denn 4 Stunden Beerenpflücken macht müde -, dass heute keine Marmelade gekocht wird.

Ein Telefongespräch später landen wir bei Freunden, die vier (4) Kinder haben, aber keinen Obstgarten, denn ihr Garten ist so etwa taschentuchgross. Wir habe sie eine längere Zeit nicht gesehen und sie freuen sich… wenigstens über Himbeeren. Aber wohl auch über uns. Der 13jährige Sohn macht Kaffee, der 15jährige Sohn ist auch irgendwo im Haus. Die 10jährige Tochter sehen wir leider nicht, die ist bei einer Freundin, un die Kleine schläft so wie die 2jährige es am Mittag machen. Es stellt sich heraus, dass unsere Freunde auch im Sommer nach Deutschland fahren. Wir geben ihnen Tipps, z.B. haben sie noch nie von Spaghetti-Eis gehört. Legoland Anfang August empfehlen wir doch nicht, es wird wahrscheinlich zu voll sein.

Zu Hause kommen wir erst um 18 Uhr an. Schlimm! Ich pflücke noch unsere Erdbeeren und eine handvoll Kirschen - unser Baum ist sehr jung. Der Mann macht Feuer, denn ich will Kirschen einlegen. Zuckerwasser, Kirschen in die Gläser… es werden kirschgenau 4 Landliebe-Joghurtgläser. Die haben wir immer aus Deutschland mitgebracht. :)

Während ich warte, dass die Gläser im Wasserbad kochen, mache ich 6 Flickenteppiche fertig. Übermorgen gibt es einen grossen Mittelaltermarkt, wir wollen dort sein... und wir beten für gutes Wetter, denn 100 Meter Flickenteppiche dürfen nicht nass werden.

Die Gläser sind zu, wir gucken noch den zweiten Teil von "Hunger Games". Der Älteste hat sich nämlich gewünscht, das Buch zu lessen und den Film zu gucken, das hat auch in mir Interesse geweckt. Es ist überraschend buchgetreu gefilmt worden.


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